Das Steirische Fachstellennetzwerk für Jugendarbeit und Jugendpolitik organisierte im Oktober eine Bildungsreise in die finnische Hauptstadt Helsinki.
Während drei Tagen konnten sich Jugendlandesrätin Dr.in Bettina Vollath, VertreterInnen des Landesjugendreferats und VertreterInnen von 15 Fachstellen ein Bild über Struktur und inhaltliche Schwerpunkte der finnischen Jugendarbeit machen.
Die Verwaltungsstruktur in Finnland unterscheidet sich wesentlich von der österreichischen: Neben der Länderebene gibt es lediglich die Ebene der Kommunen, die autonom agieren und weit reichende steuer- und gesetzgebende Kompetenzen haben.
Helsinki Team (Zusammenschluss der Jugendorganisationen in Helsinki) und Allianssi, quasi die Bundesjugendvertretung auf Finnischer Ebene mit 104 (!) Mitgliedsorganisationen, bilden den Rahmen der Jugendarbeit von NGOs und zeichneten ein funktionierendes und erfolgreiches Netzwerk zwischen Politik, Verwaltung und NGOs. So sind beide gefragte PartnerInnen und BeraterInnen, wenn es um jugendpolitische Themen in der Gesellschaft geht. Eine über Jahre gesicherte Finanzierung (Die Einnahmen aus dem Wett- und Glücksspiel in Finnland fließen zu einem fixen Prozentsatz in die Jugendarbeit.) trägt wesentlich zu einem guten Arbeitsklima bei.
In der Hauptstadt selbst ist das Jugendamt die Zentralstelle für kinder- und jugendpolitische Maßnahmen:
Gemeinsames Erarbeiten von Visionen, Formulieren von Strategien und Umsetzung konkreter Maßnahmen wird partnerschaftlich gelebt und führt zu einer starken Identifikation aller im Handlungsfeld Jugend tätigen Menschen. Mit innovativen Ideen (z.B. Virtueller Jugendraum mit Beratung von SozialarbeiterInnen) setzt es außerdem immer wieder Impulse außerhalb der klassischen Felder der Jugendarbeit und bestreitet neue Wege. Transparente und nachvollziehbare Evaluierungsmaßnahmen haben Konsequenzen und tragen wesentlich zur inhaltlichen Weiterentwicklung der NGOs bei.
In mehreren Kleingruppen wurden den Steirischen RepräsentantInnen einzelne Initiativen und Projekte vorgestellt:
Jugend-Info, Jugendzentren für Mädchen oder für Medienarbeit, Präventionsprojekte und Projekte für Jugendliche mit Migrationshintergrund standen dabei im Mittelpunkt. Dabei wurde auch klar, dass die Steirische Jugendarbeit keineswegs den internationalen Vergleich scheuen muss: Die Angebote z.B. im Bereich der Jugendinformation und in der multikulturellen Jugendarbeit arbeiten mit hoher Qualität und mit bereits langjähriger Erfahrung.
Einen Vorsprung in der räumlichen und finanziellen Ausstattung hat Finnland in der offenen Jugendarbeit:
53 (!) Jugendzentren allein im Großraum Helsinki (560 000 EinwohnerInnen) machen die Bedeutung lokaler Jugendarbeit deutlich.
Auf Grund der Erfahrungen in Helsinki und Finnland, stellt sich für die Steirische Jugendpolitik, und damit auch für die Jugendarbeit, einmal mehr die immer wieder kehrende Frage nach "Konzentrierung der Kräfte" versus "Gießkannenprinzip":
Ist es Ziel führender, einzelne Maßnahmen in der Jugendarbeit zu bündeln und (organisatorisch und finanziell) zusammenzuführen oder setzt man weiterhin auf das Prinzip Vielfalt?