Die Scheidung der Eltern oder der Tod naher Bezugspersonen bedeuten für betroffene Jugendliche eine massive Erschütterung ihres inneren Gleichgewichts. Verzweiflung, Verunsicherung, Schuldgefühle, Sprachlosigkeit, Wut und Loyalitätskonflikte können Ausdruck der veränderten Lebenssituation sein.
Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass alle Verhaltensweisen und Erlebnisse in diesem Zusammenhang Reaktionen auf eine Situation sind, die nicht ad hoc „krankhaft“ sind. Sekundärpräventive Unterstützung bei Betroffenen (Kinder, Jugendliche und Erwachsene) ermöglicht die Auseinandersetzung mit der Situation, die Verarbeitung des Ereignisses und verhindert langfristige Symptombildung.
Im Laufe eines Lebens sind wir alle mit Abschieden verschiedenster Art (z.B. Ende von Beziehungen, Schulwechsel, Verlust von Arbeitsplatz, Tod naher Bezugspersonen, ...) konfrontiert. Die natürliche Reaktion auf die unterschiedlichsten Trennungs- und Verlusterfahrungen des Lebens ist die Trauer. Ein Prozess mit verschiedenen Phasen wird in Gang gesetzt. Dies ist bei Erwachsenen ebenso, wie bei Kindern und Jugendlichen. Die Reaktion auf Abschied und Trennung ist je nach Alter, Persönlichkeit und Anlass unterschiedlich. Nach wie vor ist Trauer und der Ausdruck dieser ein gesellschaftliches Tabu – Krisen als solche sollen möglichst schnell verarbeitet werden, um wieder leistungsfähig zu sein.
In Abhängigkeit davon wie Erwachsene solchen Krisensituationen begegnen, beeinflusst dies den Umgang der Jugendlichen mit dem Thema. Gleichzeitig ist das Teenageralter eine Zeit des Umbruchs und der Veränderungen auf allen Gebieten des Lebens: körperlich, seelisch, geistig und sozial. Die Persönlichkeitsentwicklung in dieser Phase vollzieht sich zwischen Bindung und Trennung und geht einher mit einem Ablösungsprozess von den Eltern. Erfahren Jugendliche zusätzliche Einschnitte wie Trennung/Scheidung der Eltern, kann ihr Leben vollkommen aus den Fugen geraten. Der Identitätsfindungsprozess ist durch das Trennungs- oder Verlusterlebnis überlagert und beeinträchtigt die eigene Entwicklung.
Um die neue Situation nach einem Trennungs- und Verlusterlebnis gut zu bewältigen, bedarf es einer lebendigen Auseinandersetzung, um wieder zum eigenen Gleichgewicht zu gelangen. Wesentlich für eine gelungene Integration des Geschehens sind die zur Verfügung stehenden Ressourcen – z.B. gutes Eingebundensein der Jugendlichen in Peer-Gruppen, ein Umfeld, welches die Reaktionen des/der Jugendlichen mit Empathie und Wertschätzung unterstützt und Familienbeziehungen, die trotz Trennung und Verlust eine gewisse Stabilität bieten.
In der Begegnung mit Jugendlichen bedeutet dies, ihnen einen „Gestaltungs-Frei-Raum“ für ihre eigene Auseinandersetzung mit der Thematik zu ermöglichen und sie in ihrer Gesamtheit als Jugendliche wahrzunehmen.
Die Intention von (gruppen-) pädagogischen Interventionsangeboten ist es, gerade in Zeiten vielfältiger Belastungen und eingeschränkter Handlungsmöglichkeiten eine außerfamiliäre Unterstützung anzubieten. So können Familien entlastet werden und gleichzeitig kann einer Chronifizierung psychischer Belastungen entgegengewirkt werden.
Fachstelle: