Sexualisierte Gewalt passiert vor dem Hintergrund eines Gesellschaftssystems, dass geprägt ist von einem Machtgefälle zwischen Männern und Frauen und zwischen Erwachsenen und Kindern.
Geschlechterhierarchie, Geschlechterrollen, Männlichkeits- und Weiblichkeitsbilder sind mitverantwortlich für derzeitige Gewaltverhältnisse. Mädchen und Frauen sind in unserer Gesellschaft anders von Gewalt betroffen als Burschen und Männer – sowohl im Hinblick auf das Täter-Opfer-sein als auch auf bestimmte Formen von Gewalt. Präventive Arbeit zum Thema sexualisierte Gewalt (sexueller Missbrauch, Vergewaltigung und sexuelle Belästigungen) hat deshalb geschlechtsdifferenzierte Ansätze.
Umfassende Präventionsarbeit richtet sich an verschiedene Zielgruppen mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Zielen.
Gewaltprävention, die bei Jugendlichen ansetzt, bedarf einer reflektierten Mädchen- und Burschenarbeit, einer Auseinandersetzung mit den Geschlechterrollen und dem Geschlechterverhältnis in dieser Gesellschaft und muss in allen Bereichen der Jugendarbeit fest verankert sein. Präventionsprogramme in Form von wiederkehrenden Seminaren, Kursen und Weiterbildungsmöglichkeiten sind für Eltern, MultiplikatorInnen, PädagogInnen unverzichtbarer Standard in der alltäglichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Es ist Aufgabe der Erwachsenen, durch altersgemäße Sexualerziehung, eine parteiliche erzieherische Haltung und die Bereitschaft zur Reflexion im Umgang mit Macht, Autorität und Geschlechterrollen primäre Präventionsarbeit zu leisten.
Die Effektivität von präventiven Maßnahmen gegen sexualisierte Gewalt erhöht sich, wenn die einzelnen Präventionsbereiche miteinander in Wechselwirkung stehen. Primäre Prävention ist gewährleistet, wenn auch auf gesellschaftspolitischer Ebene eine Veränderung im Sinne von Geschlechtergerechtigkeit angestrebt wird.
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