Was kinder- und jugendfreundlich ist, lässt sich nicht definitiv, geschweige denn abschließend beantworten, denn es unterliegt dem zeitlichen Wandel und kann im Grunde genommen nur aus der Perspektive der einzelnen Kinder und Jugendlichen und der jeweiligen Situation an Konkretheit gewinnen.
Kindern und Jugendlichen gegenüber freundlich gesinnt zu sein, bedeutet jedoch nicht zwingend, dass eine Handlung oder Einstellung Kindern und Jugendlichen gegenüber ihnen auch gerecht wird.
Der Begriff der Kinder- und Jugendgerechtigkeit trifft das eigentlich gemeinte viel mehr, hat jedoch nicht in diesem Maße Eingang in den Sprachgebrauch gefunden. In ihm steckt das Wort "Recht", denn Kinder haben Rechte (siehe Kinder- und Jugendrecht, Sxy) und diese zu berücksichtigen und zu achten mag mehr sein als kinderfreundlich.1
Was kann Kinder- und Jugendfreundlichkeit sein?2
Kinder haben eigene Rechte
Kinder und Jugendliche werden meist vergessen, obwohl gerade sie bei allem, was wir tun, fast immer mitbetroffen sind. Dabei haben Kinder und Jugendliche eigene Rechte, rechtlich verbindlich verbriefte, die es Punkt für Punkt umzusetzen gilt. Sie haben ein ,,Recht auf Achtung", das ihnen Platz in unserem Denken und Tun sichert, eben: weil sie Kinder und Jugendliche sind!
Gesundheit und Sicherheit fördern
Jedes Kind bzw. jede/r Jugendliche/r hat Anspruch darauf, dass es bzw. er/sie in einer gesunden Umwelt und in Lebensverhältnissen aufwachsen kann, die ihm/ihr Geborgenheit und die Unantastbarkeit von Leib und Leben gewährleisten und seine Entwicklung fördern.
Gebrauchsfähigkeit herstellen
Kinder und Jugendliche eignen sich ihre Umwelt im Tun, im unmittelbaren Gebrauch an. Das verlangt besondere Aufmerksamkeit für das, was Kinder und Jugendliche brauchen. Es gilt, konkret herauszufinden, wie Kinder und Jugendliche leben und spielen und darauf die Gestaltung der Lebenswelt abzustimmen.
Veränderbarkeit zulassen
Kinder und Jugendliche verändern die Welt. Ihr Einfallsreichtum, ihre Spontaneität und ihr Tatendrang schaffen Zukunft - wenn sie nicht verbaut wird, indem Erwachsene die Lebensumgebung der Kinder und Jugendlichen immer schon fertig, perfekt, abschließend gestaltet haben. Veränderbarkeit muss Gestaltungsräume für Kinder und Jugendliche sichern, sonst fühlen sie sich überflüssig.
Erlebniswelten schaffen
Erlebnisdrang spricht aus jeder Äußerung des Kindes bzw. des/der Jugendlichen. Spaß und Stille, Trotz und Mut, Neugier und Abwarten, Gemeinschaft, Rückzug und Alleinsein - in größter Vielfalt sucht sich jedes Kind bzw. jede/r Jugendliche/r entsprechend seiner Individualität Herausforderungen, an denen es sich erproben kann. Vielfältige Anregungen zur Ausbildung von Freiheit und Verantwortung, Initiative und Mündigkeit sollten dies fördern.
Partizipation praktizieren
Kinder und Jugendliche sind der Maßstab für Kinder- und Jugendfreundlichkeit. Deshalb lässt sich Kinder- und Jugendfreundlichkeit nicht abstrakt definieren. Sie entsteht konkret und bewährt sich nur im Zusammensein mit den Kindern und Jugendlichen. Beteiligung von Kindern und Jugendlichen von Anfang an heißt erst, die Rechte des Kindes bzw. des/der Jugendlichen wirklich ernst zu nehmen.
Widerstände benennen und Bündnispartner suchen
Kinder- und Jugendfreundlichkeit ist nicht selbstverständlich, der Vorrang von Erwachseneninteressen allzu häufig. Erwachsene haben immer Gründe. weshalb Kinder- und Jugendfreundlichkeit doch gerade nicht umgesetzt werden kann. Diese Gründe gilt es genau festzuhalten und in die offene Diskussion zu bringen. Sie fördern zutage, wo der Hebel angesetzt werden muss, um etwas zu verändern.
Fachstellen:
Fratz Graz
KIJA
Kinderbüro
beteiligung.st
1 Vgl. Infostelle Kinderpolitik: www.kinderpolitik.de
2 Reinald EICHHOLZ, Kinderbeauftragter der Landesregierung beim Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen