Der religiöse Pluralismus ist auch in Österreich Wirklichkeit geworden. Eine unübersehbare Anzahl an neuen Heilslehren, Weltanschauungen und religiösen Ideologien hat sich durch hunderte Trends und Gruppen etabliert. Begriffe wie neue Spiritualität, Esoterik, Okkultismus, aber auch Satanismus, sogenannte Sekten und religiöser Fundamentalismus stehen für dieses bunte, bewegte Feld der neuen, außerhalb der etablierten Kirchen sich ausbreitenden Religiosität.
Es gibt neben sinnvollen Angeboten auch zahlreiche unsinnige, teure, aber relativ harmlose Produkte, aber auch skurrile Heilslehren und bedenkliche Ideologien. So wurde die Esoterik vor etlichen Jahren zu einem großen Einfallstor für rechtsextreme Ideologien. Die größte Problematik stellt der autoritäre, guru/führerhörige Charakter dar, der in vielen esoterischen Zirkeln, aber auch in etlichen der neuen religiösen Bewegungen praktiziert wird. Dieser spirituell legitimierte autoritäre Charakter, wie er u.a. im terroristischen Fundamentalismus überdeutlich wird, untergräbt in nicht zu unterschätzendem Ausmaß unsere Demokratie. Erich Fromm sprach in diesem Zusammenhang von autoritärer Religiosität (im Gegensatz zur humanitären).
Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit bezüglich Esoterik, sogenannter Sekten, Satanismus und autoritärer Religiosität muss daher neben dem beschreibenden, informativen Aspekt (Aufklärung durch Information. Wissen ist Macht!) auch zugleich demokratiepolitisch angelegt sein: Der mündige, emanzipierte Mensch muss als Vision gegen Intoleranz, Gewaltbereitschaft und Verdummung durch irrationale Gedankenakrobatik herausgearbeitet und verteidigt werden. Damit steht diese Art der präventiven Arbeit, die mit Jugendlichen und zahlreichen Berufsgruppen gemeinsam erfolgt, im Dienst der Verteidigung und Festigung der Demokratie!
Letztlich bedeutet Prävention in diesem Bereich auch die konstruktive Beheimatung von Jugendlichen in ihrem Lebensraum, wo ihnen die Beteiligung am politischen Leben und die Gestaltung ihres Lebensraums ermöglicht werden. Hier sollten sich Gewalt-, Drogen- und ESO-Prävention und eine verantwortungsbewusste Regional- bzw. Stadtteilpolitik die Hand reichen.
Es geht nicht um eine undifferenzierte Verdammung jeglicher Esoterik und aller neuen Heilslehren, sondern darum, dass eine Sensibilisierung und ein Wissen bezüglich demokratiepolitisch bedenklicher Ideologien und Methoden im Bereich des religiösen Pluralismus für den Erhalt einer modernen, demokratischen Gesellschaft immer unverzichtbarer werden. Die Esoterik & Sektenprävention trägt dazu bei, dieses Wissen aufzubauen und die Sensibilisierung voranzutreiben.
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