Burschenarbeit, also die pädagogische Arbeit mit männlichen Kindern und Jugendlichen hat europaweit kein einheitliches Erscheinungsbild. Grundlage für die folgende Definition ist die Position der Männerberatung Graz.
Geschlechter reflektierende Burschenarbeit ist dann gegeben, wenn mit männlichen Jugendlichen ihr Verhalten und Erleben und die dahinter liegenden Bilder von Frau-sein und Mann-sein reflektiert werden. Durch diese Sensibilisierung und Bewusstwerdung soll eine Geschlechtergerechtigkeit hergestellt werden.
Die biografische Perspektive zeigt häufig, dass viele Buben und Burschen Defizite hinsichtlich differenzierter und konturierter männlicher Rollenbilder aufweisen. Im gesellschaftspolitischen Bezug werden Veränderungen als Pluralisierung der Vorstellung von Mannsein und Männlichkeit erkennbar. Herkömmliche Formen der Geschlechteridentität lösen sich zunehmend auf, was auch die traditionellen Fixpunkte des Mannseins betrifft: Erzeuger-, Beschützer- und Ernährerfunktion in der Familie.
Aufgrund dessen hat die Bedeutung des Geschlechts als Mittel, die eigene Person zu präsentieren und herzustellen, zugenommen. Burschen stehen dabei unter vermehrtem Druck, sich als männlich zu präsentieren. Ein weiterer wesentlicher Moment, der eine Geschlechter reflektierende Jungenarbeit notwendig macht, ist, dass Buben und Burschen als „Problemträger“ nicht vorgesehen sind. Jungen machen Probleme, sie haben jedoch keine. Ohne eigene geschlechtsspezifische Perspektive werden die Probleme der männlichen Jugendlichen weiter verdrängt, was zu problematischen Bewältigungsformen führt.
Geschlechter reflektierende Burschenarbeit zielt darauf ab, männliche Jugendlichen zur Aneignung und Entwicklung ihres eigenen Jungen- und Mannseins im Sinne erweiterter Handlungskompetenzen zu unterstützen und zu befähigen. Erweiterte Handlungskompetenzen meint dabei die Fähigkeit, sozialreflexiv, aktiv und gestaltend mit der eigenen Geschlechtlichkeit umzugehen.
Da Gewalt und Männlichkeit eng verknüpft sind, ist Geschlechter reflektierende Buben- und Burschenarbeit immer auch ein gewaltpräventiver Beitrag.
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