Presseaussendung: Rauchen vor Kindern und Jugendlichen: je sichtbarer, desto normaler
Das steirische Fachstellennetzwerk für Jugendarbeit und Jugendpolitik plädiert für ein generelles Rauchverbot in Lokalen. Dies hätte vielschichtige positive Auswirkungen auf die Kinder- und Jugendgesundheit: Neben der Passivrauchbelastung sinkt dadurch der Anteil jener Jugendlichen, die zu rauchen beginnen. Rauchenden Jugendlichen wird das Aufhören erleichtert. Bereits 2008 forderte selbst die Vertretung der Jugendlichen im steirischen Jugendlandtag ein generelles Rauchverbot in Speiselokalen. Daraufhin wurde im Landtag Steiermark einstimmig beschlossen, mit dieser dringenden Forderung an das Bundesministerium heranzutreten.
Inakzeptabel ist für das „Steirische Fachstellennetzwerk für Jugendarbeit und Jugendpolitik“ Gesundheitsminister Stögers aktuelle Ankündigung, dass in Lokalen nun doch weiterhin geraucht werden darf. Bei Passivrauch ist auch wenig zu viel. Wenn die Politik kein generelles Rauchverbot durchsetzt, bringt dies mit sich, dass die meisten Lokale Kinder ausschließen. Denn laut UN-Kinderrechtskonvention haben Kinder ein Recht auf das „erreichbare Höchstmaß an Gesundheit“ sowie ein Recht auf „Schutz vor jeglicher Form körperlicher Schadenszufügung“.
Da die Zusammensetzung des Passivrauchs der des inhalierten Tabakrauchs sehr ähnlich ist und Passivrauch ebenfalls aus zahlreichen giftigen und/oder Krebs erregenden Substanzen besteht, ist „Mitrauchen“ gesundheitsschädigend. Nicht umsonst wünschen sich laut einer Umfrage von VIVID – Fachstelle für Suchtprävention (2009) 62 Prozent der steirischen Kinder im Alter von 10 bis 15 Jahren, dass ihre Eltern sie vor Passivrauch schützen.
Aus Sicht der steirischen Kinder- und Jugendeinrichtungen geht es neben dem Schutz vor Passivrauch bei rauchfreien Lokalen auch um die Vorbildwirkung: Kinder lernen von Vorbildern. Je sichtbarer das Rauchen, desto normaler erscheint es. Kinder kommen als NichtraucherInnen zur Welt. Bis weit ins Jugendalter sind sie jedoch scharfe BeobachterInnen ihrer Umgebung und beginnen über kurz oder lang oft gesehene Verhaltensweisen nachzuahmen. Dazu kommt, dass das Rauchen für Kinder und Jugendliche umso interessanter wird, je häufiger sie es sehen und je inniger ihr Verhältnis zu der Person ist, die sie beim Rauchen beobachten. Sichtbarkeit schafft Normalität.
Je mehr Personen im Umfeld eines Kindes oder Jugendlichen rauchen, desto eher beginnt es selbst zu rauchen. Zahlreiche Studien zeigen, dass der Anteil rauchender Jugendlicher mit einem generellen Rauchverbot sinkt. Nichtrauchende Jugendliche werden weniger dazu verführt, mit dem Rauchen anzufangen, wenn es in Lokalen generell verboten ist.
Auch für Jugendliche, die mit dem Rauchen aufhören wollen, kann ein Rauchverbot in Lokalen sehr unterstützend sein. Wie Daten zeigen, rauchen gerade Jugendliche vermehrt am Wochenende beim Fortgehen. Hier nicht rauchen zu dürfen, erleichtert das Aufhören.
Beim Jugendlandtag machten sich steirische Jugendliche bereits 2008 für ein generelles Rauchverbot in Speiselokalen stark. Sie brachten ein Forderungspapier mit folgendem Wortlaut ein: "Es ist uns bewusst, dass das Rauchverbot in Speiselokalen gerade auch bei Jugendlichen ein heikles Thema ist. Da aber sowohl Rauchen als auch Passivrauchen schädlich und beim Essen störend ist, sollte es grundsätzlich verboten sein."
Internationale Erfahrungen zeigen, dass die Zustimmung zu generellen Rauchverboten in Lokalen steigt, nachdem diese eingeführt wurden. So zeigen in der europaweiten Umfrage „Eurobarometer“ jene Staaten die höchste Zustimmung, die längt ein generelles Rauchverbot haben: in Italien (95 Prozent), Schweden (87 Prozent) und Großbritannien (86 Prozent). In Österreich sind laut „Eurobarometer“ 63 Prozent der Erwachsenen für ein generelles Rauchverbot in Lokalen und 78 Prozent für rauchfreie Restaurants.
Steirisches Fachstellennetzwerk für Jugendarbeit und Jugendpolitik, 28.4.2010